Phytoplankton-Mikrobiome: Funktionelle Treiber von Anpassung und polwärts gerichteter Verbreitung
Antragsteller:in
Professor Dr. Tilmann Harder
Universität Bremen
Fachbereich 02: Biologie und Chemie
Arbeitsgruppe Meereschemie
Leobener Straße
28359 Bremen
Professor David Needham, Ph.D.
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Forschungsbereich 3: Marine Ökologie
Forschungseinheit Ökosystembiologie des Ozeans
Wischhofstraße 1 - 3
24148 Kiel
Dr. Sylke Wohlrab
Alfred-Wegener-Institut
Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
Am Handelshafen 12
27570 Bremerhaven
Projektbeschreibung
Im Südozean (SO) spielen Kieselalgen aufgrund ihrer Primärproduktion eine entscheidende Rolle für das Ökosystem. Ihre Widerstandsfähigkeit ist nicht allein auf genetische Merkmale zurückzuführen, sondern vielmehr auf ihre enge Verbindung und Interaktion mit Bakteriengemeinschaften, die als Kieselalgenmikrobiome bezeichnet werden. Das Kieselalgenmikrobiom erfüllt lebenswichtige Funktionen wie Nährstoffrecycling, Eisengewinnung sowie die Bereitstellung bakterieller Vitamine und anderer wachstumsfördernder Substanzen. Da die Diatomeen-Mikrobiom-Gemeinschaften unter gegebenen Umweltbedingungen recht stabil sind, können ihre Funktionen als biologisches Merkmal oder Eigenschaft betrachtet werden. Eine der wichtigsten Folgen der Erwärmung der Ozeane für Kieselalgen ist eine polwärts gerichtete Verschiebung ihrer Verbreitung. In den verschiedenen SO-Regionen treffen die Diatomeen auf unterschiedliche Umweltbedingungen, von denen viele eine Überlebensherausforderung darstellen. Wir gehen davon aus, dass die funktionelle Differenzierung und Anpassung des Mikrobioms der Algen ein entscheidender Faktor für ihre ökotypische Differenzierung in SO-Regionen ist. In diesem Antrag werden wir die eigenschaftsbasierten Fähigkeiten von Kieselalgen aus der Perspektive des Mikrobioms charakterisieren und das funktionelle Potenzial des Mikrobioms zur Förderung von Bewältigungsstrategien und der Anpassung an neue Umweltbedingungen untersuchen. Durch Kombination unserer Expertise auf dem Gebiet der Interaktionen zwischen Diatomeen und Bakterien, der Dynamik mikrobieller Gemeinschaften, der Genomik sowie der Einzelzell- und Meta-omik wollen wir das Repertoire und die Anpassungsfähigkeit von Diatomeen-Mikrobiomen aufklären. Dazu werden wir metagenom-assemblierte Genome (MAGs) in Kieselalgen aus verschiedenen SO Regionen erstellen. Die Zusammensetzung des Mikrobioms auf einzelnen Kieselalgenzellen per Metabarcoding wird verwendet, um diese Barcodes bakteriellen Genomen zuzuordnen. Dies ermöglicht eine große Stichprobengröße für Metabarcoding-Analysen einzelner Kieselalgenzellen. In Arbeitspaket 1 werden wir konzeptionell prüfen, ob Mikrobiom-Taxa zwischen zwei gemeinsam vorkommenden Kieselalgenarten ausgetauscht werden, und falls ja, welche Taxa welche Funktionen übernehmen. In Arbeitspaket 2 werden wir die intra- und interspezifische funktionelle Variabilität von Diatomeen-Mikrobiomen bestimmen und dabei Erkenntnisse über lokale Anpassungen von Mikrobiom-Taxa und deren potenzieller Pufferkapazität gewinnen. Zusammen werden diese Arbeitspakete uns ermöglichen, die Fähigkeit des Holobioms in Bezug auf seine endemische oder rekrutierte funktionelle Zusammensetzung des Mikrobioms zu bewerten, um die relevanten Lebenseigenschaften für die Bewältigung und das Überleben in verschiedenen SO-Zonen zu erklären.
DFG-Verfahren Infrastruktur-Schwerpunktprogramme
Förderung seit 2025
